Im Lehrplan werden Lehrpersonen aufgefordert, Beurteilungen im Dialog vorzunehmen (AHB, 21). Das heisst, u.a. die Sichtweisen von Fachlehrpersonen und Heilpädagog:innen sollen miteinbezogen werden. Es gibt Schulen, die Klassenteamsitzungen bereits institutionalisiert haben, an denen auch die Leistungsbeurteilung der Schüler:innen im Team besprochen wird, um Wahrnehmungsverzerrungen entgegenzuwirken.
Um Benachteiligungen im Unterricht und in der Beurteilung zu minimieren, stehen den Lehrpersonen verschiedene pädagogische und bildungspolitische Massnahmen zur Verfügung. So zum Beispiel der Nachteilsausgleich und reduzierte individuelle Lernziele (riLz). Gleichzeitig zeigen Studienergebnisse, dass diese Massnahmen auch Effekte haben können, die ihr Ziel verfehlen: Lernende mit riLz werden von Lehrpersonen systematisch als leistungsschwächer eingeschätzt, auch bei gleichem IQ und gleichen Leistungen (Sahli Lozano, Wüthrich & Wicki 2022). Zudem sind Schüler:innen mit riLz vorwiegend solche aus benachteiligten Sozialschichten (Sahli Lozano et al. 2023) und Lernende mit Nachteilsausgleich aus privilegierteren Schichten (Sahli Lozano, Wüthrich & Wicki 2022). Schulen sind gefordert, solche Massnahmen nicht vorschnell sondern gut durchdacht einzusetzen und deren Wirkung kritisch zu hinterfragen. Hier empfiehlt es sich, die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteur:innen zu stärken.