Das neu erbaute 4-Meter-Teleskop namens DAG befindet sich in Ostanatolien. «Die Landschaft sieht ähnlich aus wie im Jura», sagt Kühn: «Nur sind wir dort gut 1000 Meter höher.» Von der nächstgelegenen Stadt, Erzurum, dauert die Autofahrt etwa 40 Minuten im Frühling und im Sommer und anderthalb Stunden im Winter bis zum Teleskop auf 3170 m.ü.M. «Während der Wintersaison fahren wir zunächst zu einem nahe gelegenen Skigebiet, dann mit dem Skilift weiter hinauf, wo uns ein Pistenfahrzeug abholt und zum Observatorium bringt», erzählt Kühn: «Das ist ziemlich lustig.» In den nächsten Monaten wird er mit seinem Team das PLACID-Instrument bei mehreren Besuchen für den Betrieb einrichten. Derya Öztürk Çetni vom Dachverband der Türkischen Observatorien sagt: «Wir freuen uns riesig, mit Jonas Kühn und seinem Team zusammenzuarbeiten, und wir sind total gespannt auf den ganzen PLACID-Prozess.»
Ruben Tandon, Doktorand in Kühns Team hat bereits einen Katalog von Beobachtungszielen zusammengestellt. Die Forschenden wollen unter anderem versuchen, Exoplaneten, die Doppelsterne umkreisen, direkt abzubilden. «Das wird eine Premiere sein», sagt Tandon. Denn mit den herkömmlichen Koronographen war dies bisher nicht möglich. «Mit PLACID können wir unsere Maske in Echtzeit so anpassen, dass das Licht von mehreren Sternen gleichzeitig perfekt abgeblockt wird», erklärt er.
Mit einem ERC Consolidator Grant in der Höhe von 2,7 Millionen Euro arbeiten die Forschenden im Labor in Bern zudem bereits an einer Weiterentwicklung dieser Technologie. Sie hoffen, dass dereinst ein solcher digitaler Koronograph in einem der künftigen Riesenteleskope installiert wird, wie beispielsweise dem European Extremely Large Telescope in Chile mit seinem 39-Meter-Spiegel.