Berner Fachhochschule
Universität Bern

«Auch wir profitieren von den kurzen Wegen hier in Bern»

Text: Nicola v. Greyerz

07. Aug. 2026 | 1 min. Lesedauer

Studierende des Studiengangs Master in Biomedical Engineering

Philippe Zysset und Volker Koch leiten den Master of Science in Biomedical Engineering, der von der Universität Bern und der Berner Fachhochschule gemeinsam angeboten wird. Sie erzählen, wie die Studierenden davon profitieren und warum örtliche Nähe wichtig ist.

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Was zeichnet den Masterstudiengang Biomedical Engineering, dessen Studiengangsleiter Sie beide sind, aus?

Prof. Dr. Volker M. Koch (Professor für Biomedical Engineering an der Berner Fachhochschule): Der Masterstudiengang verbindet Ingenieurwissenschaften, Medizin und Naturwissenschaften und wird gemeinsam von der Universität Bern und der Berner Fachhochschule getragen. Er vereint die medizinische und naturwissenschaftliche Stärke der Universität Bern mit der ingenieurwissenschaftlichen Kompetenz und der Anwendungsorientierung der Berner Fachhochschule. Beteiligt ist auf Seiten der Berner Fachhochschule insbesondere das Institute for Microtechnologies and Medical Engineering (IMME).

Prof. Dr. Philippe Zysset (Professor für Biomechanik an der Universität Bern):  Der Masterstudiengang ist ein spezialisierter, interdisziplinärer Studiengang mit drei Vertiefungsrichtungen: Biomechanics, Image-Guided Therapy und Electronic Implants. Er feiert dieses Jahr bereits sein 20-jähriges Bestehen! Seitens der Universität Bern ist insbesondere das ARTORG Center for Biomedical Engineering Research beteiligt. Darüber hinaus  sind mehrere andere universitäre Forschungsgruppen sowie externe Institutionen wie beispielsweise die Empa involviert.

Was macht den Masterstudiengang für Studierende der Berner Fachhochschule besonders attraktiv?

Koch: Für Absolventinnen und Absolventen geeigneter Bachelorstudiengänge einer Fachhochschule ist besonders attraktiv, dass sie einen universitären Masterabschluss erwerben können. Damit eröffnen sich ihnen zusätzliche Möglichkeiten, beispielsweise für ein Doktorat oder eine wissenschaftliche Laufbahn. Gleichzeitig vertiefen sie ihre anwendungsorientierte Ausbildung und verbinden diese noch stärker mit universitärer Forschung und klinischen Fragestellungen.

Und was für Studierende der Universität Bern?

Zysset: Die Studierenden der Universität Bern schätzen die anwendungsorientierten Ingenieurwissenschaften, die Interdisziplinarität und die starke Verbindung des Masterstudiengangs mit den Kliniken des Inselspitals. Diese Verbindung zeigt sich sowohl durch Dozierende der Medizinischen Fakultät als auch durch Themen der Labor- und Masterarbeiten.

« Der Medizinstandort Bern ist für unseren Masterstudiengang von zentraler Bedeutung. »

Prof. Dr. Volker M. Koch, Professor für Biomedical Engineering an der Berner Fachhochschule

Was sind weitere Gründe, die für den Master BME in Bern sprechen?

Zysset: Die Konzentration der Pflichtveranstaltungen auf drei Wochentage kann es Studierenden erleichtern, das Studium mit einer Teilzeittätigkeit zu verbinden. So können sie bereits während des Studiums Praxiserfahrung sammeln. Viele unserer Studierenden arbeiten nebenbei bei Forschungsgruppen oder Firmen, die an wissenschaftsbasierten Innovationen beteiligt sind. Zudem werden die Pflichtlehrveranstaltungen des Masterstudiengangs auf Englisch unterrichtet, was der Sprache der Forschung sowie der globalen Firmen in der Medizintechnik entspricht.

Koch: In meiner Forschungsgruppe gibt es zahlreiche Beispiele von Studierenden, die über längere Zeit an derselben Fragestellung gearbeitet haben, etwa von der Bachelorarbeit bis zur Masterarbeit und dies häufig im Rahmen eines Innosuisse-Projekts. Dadurch erwerben sie nicht nur fachliche Tiefe, sondern auch Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Forschungspartnern. Viele finden nach dem Studium direkt eine Stelle bei einem Unternehmen. Andere wechseln an eine universitäre Hochschule, beispielsweise an die ETH Zürich, und beginnen ein Doktorat. Diese Beispiele zeigen, wie eng Studium, Forschung und Industrie in Bern miteinander verknüpft sind und welche vielfältigen beruflichen Perspektiven sich daraus für die Studierenden ergeben.

Wie wichtig ist der Medizinstandort Bern für die Attraktivität des Masterstudiengangs?

Koch: Der Medizinstandort Bern ist für unseren Masterstudiengang von zentraler Bedeutung. Die Medizinische Fakultät der Universität Bern, das Inselspital, das ARTORG Center, sitem-insel und weitere Forschungsinstitutionen liegen räumlich sehr nahe beieinander. Dadurch können unsere Studierenden früh mit klinischen Fachpersonen zusammenarbeiten und reale medizinische Fragestellungen kennenlernen.

Zysset: Aktuell wird sehr viel in die Stärkung des Medizinstandortes Bern investiert. Der Inselcampus wächst, die Medizinische Fakultät setzt ihre Strategie für 2030 um, und sitem-insel unterstützt die translationale Entwicklung und den Transfer medizinischer Innovationen in unmittelbarer Nähe zum Inselspital. In den kommenden zehn Jahren wird hier nicht nur erheblich investiert, sondern auch ein interdisziplinäres und produktives Ökosystem weiterentwickelt. Davon profitiert nicht nur unsere Forschung, sondern auch die Ausbildung unserer Studierenden.

«Aktuell wird ja sehr viel in die Stärkung des Medizinstandortes Bern investiert. Davon profitiert nicht nur unsere Forschung, sondern auch die Ausbildung unserer Studierenden.»

Prof. Dr. Philippe Zysset, Professor für Biomechanik an der Universität Bern

Welchen Vorteil zieht die Universität aus der Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule?

Zysset: Die Universität Bern verfügt über keine eigene ingenieurwissenschaftliche Fakultät und gewinnt durch diese Zusammenarbeit die Möglichkeit, sich an vielversprechenden Schnittstellen bestehender Fakultäten weiterzuentwickeln. Dies betrifft beispielsweise die Medizintechnik und die Weltraumforschung, in denen ingenieurwissenschaftliche Kompetenzen eine wesentliche Rolle spielen.

Wo sehen Sie, da Sie beide auch in der Forschung tätig sind, die Vorteile einer engen Zusammenarbeit zwischen den beiden Hochschulen?

Koch: Auch in der Forschung ergänzen sich die beiden Hochschulen sehr gut. Die Universität Bern bringt ihre Stärke in der Grundlagenforschung, der Medizin und der klinischen Forschung ein. Die Berner Fachhochschule und insbesondere das IMME verfügen über umfassende Kompetenzen in der anwendungsorientierten Forschung, der technischen Entwicklung und der Zusammenarbeit mit Unternehmen. Gerade bei medizintechnischen Projekten ist diese Kombination sehr wertvoll. Neue Lösungen müssen wissenschaftlich fundiert, technisch umsetzbar, sicher, regulatorisch tragfähig und klinisch relevant sein.

Zysset: Medizintechnik ist von Grund auf interdisziplinär. Die Universität Bern verfügt in ausgewählten Bereichen über ingenieurwissenschaftliche Kompetenzen, deckt jedoch nicht das gesamte Spektrum ab. Die Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule ermöglicht es daher, in zahlreichen Technologiebereichen lokal und wirkungsvoll zu kooperieren.

Man nennt Bern häufig die «Stadt der kurzen Wege». Was bedeutet dieser Satz für Sie?

Zysset: Kurze Wege sind nicht nur eine Frage der räumlichen Distanz. Gemeint ist das dichte Netzwerk von klinischen Fachpersonen, Forschenden und Unternehmensvertreterinnen und -vertretern, das neue Fragestellungen aufgreift, Unterstützung bietet und Studierende in Projekte einbinden kann.

Koch: Für mich zeigt sich das vor allem im Alltag: Man kennt die richtigen Ansprechpersonen und kommt rasch miteinander ins Gespräch.